Die Kropfketten (1880 bis 1993)
Eng anliegende Halsbänder, die der Trägerin eine sehr würdevolle Haltung verleihen, gibt es fast in allen Schmuckkulturen. Speziell in adeligen Kreisen des zu Ende gehenden 19. Jhs. waren Schmuckstücke dieser Art sehr beliebt. Die ländliche Bevölkerung hatte immer wieder versucht, die adeligen Herrschaften nachzuahmen, so auch im Schmuckbereich. Daraus entstanden um 1880 die Kropfketten, im Salzkammergut liebevoll „Godernspreiz'n“ genannt. Sie zählten wohl zu den beliebtesten Schmuckstücken in unserer Gegend.
Um eine Übereinanderfallen der einzelnen Kettenreihen zu verhindern mussten sie so exakt an den Hals angepasst werden, dass ein Kopfnicken beinahe unmöglich war. Dies sorgte einerseits für eine sehr aufrechte Haltung der Damen, war jedoch auch mit erheblichen „Leiden“ verbunden und sorgte einmal mehr für die althergebrachte Redewendung: „Wer schön sein will, muss leiden“. Die Kropfketten wurden aus Silber hergestellt und waren mit bunten Glassteinen und Wachsperlen besetzt, die als Zierschrauben gearbeitet die aus Feinsilber gearbeiteten Filigranfüllungen hielten. Die Herstellung des Filigrans war zeitaufwendig und erforderte große Geschicklichkeit und eine Menge Geduld.
Aus Feinsilber wurden Drähte gezogen, die entweder kordiert oder mit einem Gewinde versehen und dann flachgewalzt wurden. Die so entstandenen fein gerieften und bizarr wirkenden Flachdrähte wurden zu verschiednen Schnörkeln gebogen und zu Mustern zusammengelötet. Die symmetrischen Muster erforderten große Genauigkeit, denn die einzelnen handgebogenen Schnörkel mussten vollkommen gleich sein. Die von Engelbert Schodterer gefertigten Kropfketten weisen allesamt eine Besonderheit auf, die bei Kropfketten anderer Goldschmiede nicht zu finden ist. Die gesamte Kropfkette (Zierfläche und Rahmen) wurde gewölbt montiert. Dies bedeutete ein um vieles angenehmeres Tragegefühl, während flache Kropfkettenschließen gegen den Kehlkopf drücken, passen sich gewölbte „Kästen“ dem Hals genau an.
In der bäuerlichen Bevölkerung des Salzkammergutes galt die Kropfkette als Statussymbol. Je mehr Reihen eine Kropfkette hatte, um so wohlhabender war die Familie der Trägerin. Was wohlhabende Frauen mit kurzen Hälsen machten, entzieht sich allerdings unserem heutigen Wissen. Die Kropfketten gehören ganz und gar nicht der Vergangenheit an, alle hier ausgestellten Original-Kropfketten sind noch „lebendig“ und wurden als Leihgaben zur Verfügung gestellt.
Während der beiden Weltkriege wurden kaum Kropfketten gefertigt, erst Gerold Schodterer entdeckte die Entwürfe seines Urgroßvaters wieder. Bis 1993 wurden nach diesen Zeichnungen, vielfach in verkleinerter Form, Kropfketten-Nachbildungen gefertigt - heute zählen auch diese bereits, wie die über 100 Jahre alten Vorlagen des Urgroßvaters, zu begehrten Antiquitäten.
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