Zum Gedenken an Robert Schodterer 1921 - 2001
Unser Vater ging in Frieden, versöhnt mit allem, aus unserer greifbaren, irdischen Welt. Er war – die Weltenuhr betrachtend – nur ein Sekündchen hier. Für unser Menschen-Zeit-Verständnis hatte er ein langes und erfülltes Leben. Er hat vieles in seinem Leben zur Vollendung gebracht – wenn alles Wichtige vollendet ist, dann ist die Zeit zu gehen.
Sein Leben hat er in all seinen Facetten kennen gelernt, er hat innigst und leidenschaftlich geliebt, er hat im Krieg unsagbares Leid erlebt, er hat das Erbe seiner Väter weiter getragen, auch wenn es ihm schwergefallen ist. Er hat aber auch seinem inneren Bedürfnis nach Schönem, in seiner Musik und seinen lyrischen Texten und Gedichten, Raum gegeben.
Manchesmal erschien er uns weit entfernt, entrückt in eine andere, tönende, lächelnde Welt. Er schwebte in seinen eigenen Klängen, die nur er hören konnte, durch Raum und Zeit.
In seinem „Schweben“ war er für uns oftmals ruhender Pol der Langsamkeit, nur durch sein Dasein vermittelte er Ruhe und Gelassenheit – wie ein Lied ohne Worte.
Er hat jedem unserer Familie vor seinem Heimgang, in seiner liebevollen Weise, seine Anerkennung und Wertschätzung gegeben und damit die Möglichkeit, in seinem Gedenken, mit Freude und Zuversicht weiterzuleben. In uns bleibt er lebendig als liebender, weiser und lehrender Freund.
Flügelschlag der Zeit
Die Weltenuhr schlägt Tag und Nacht und lässt uns so die Zeit ermessen. Das Erinn’rungs-Chronometer hat Macht Sein Zählwerk heißt Vergessen.
Papier, geschaffen, festzuhalten was der Gedankenkraft entspringt, hilft die Erinn’rung zu verwalten, bis Auflösung Erlösung bringt.
Das Eisen sucht dem Lauf zu trotzen, für’s Zeitgescheh’n ist’s leichte Kost. Obgleich’s geschmeidig sucht zu protzen, bleibt letzten Endes nur der Rost.
Auch unser Wunsch heißt langes Leben, Sekunden werden Kostbarkeit, doch wenn wir uns zur Ruh’ begeben, war’s nur ein Flügelschlag der Zeit.
So lasst uns dieses Leben nützen, lernen, Gefühle auszuleben, lasst uns einander unterstützen, uns gegenseitig Liebe geben.
Lasst uns an die Sekunde denken, in der wir von der Erde geh’n, uns’re Begabungen uns schenken, das ew’ge Leben in uns seh’n.
© Gerold Schodterer |