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JOHANN-NESTROY-RING PREISTRÄGER

2008

PETER TURINI

 

geboren 1944 in St. Margarethen in Kärnten, wuchs in Maria Saal auf und war von 1963 bis 1971 in verschiedenen Berufen tätig. Seit 1971 freier Schriftsteller, lebt in Retz. Mit seinem ersten Theaterstück „Rozznjogd“ (Uraufführung 1971 am Wiener Volkstheater) wurde Turrini schlagartig bekannt. Es folgen Stücke, u.a. „Sauschlachten“, Münchner Kammerspiele 1972; „Josef und Maria“, Volkstheater Wien 1980; „Die Minderleister“, Akademietheater Wien 1988; „Alpenglühen“, Burgtheater Wien 1993; „Die Liebe in Madagaskar“, Akademietheater 1998; „Die Eröffnung“, Schauspielhaus Bochum 2000; „Ich liebe dieses Land“, Berliner Ensemble 2001; „Der Riese vom Steinfeld“, Wiener Staatsoper 2002; „Da Ponte in Santa Fe“, Salzburger Festspiele 2002; „Bei Einbruch der Dunkelheit“, Stadttheater Klagenfurt 2006; „Mein Nestroy“, Theater der Josefstadt 2006; „Jedem das Seine“ (gemeinsam mit Silke Hassler), Stadttheater Klagenfurt 2007; „Die Minderleister“ (Neufassung), Schauspielhaus Graz 2007; Gedichtbände, Drehbücher, Reden und Essays. Turrinis Werke wurden in über dreißig Sprachen übersetzt, seine Stücke werden weltweit gespielt. Im Suhrkamp Verlag erscheint eine umfassende Werkausgabe.

Nestroy-Ring „Bühnen-Inszenierung“ für Peter Turrini

„Die größte Herausforderung ist für mich immer wieder das weiße Blatt Papier“, gesteht Peter Turrini lächelnd.  „Ich weiß zwar was ich schreiben will, aber wie beginnen?“ Er erzählt, dass sein Vater Handwerker war , Möbeltischler, und dass er von ihm das konsequente Arbeiten gelernt hat und dies helfe ihm auch über diese erste Hürde - wenn er vor dem weißen Blatt sitzt - hinweg, denn da beginnt er dann einfach zu schreiben, wirft seitenweise Geschriebenes in den Papierkorb und plötzlich kommen die gesuchten Worte wie von selbst.

 

„Als Kind wurde ich immer ausgeschlossen, was mir blieb, war Zuschauen“, erinnert sich Peter Turrini, „aus dem Zuschauen hab‘ ich dann später eine Würde gemacht und habe genauer hingeschaut!“

 

So wurde aus dem zuschauenden Buben ein, wie er selbst sagt, „Wahrheits- und Wirklichkeitssüchtiger“, der sich ständig auf der Suche nach dem noch nicht Gesagten, nach dem neuen Blick auf die Welt befindet und sein brennendes Interesse an der Wahrheit seiner Mitmenschen, durch messerscharfe Zeitkritik bekundet.

 

Ein Handwerker, der seine Texte auf der Suche nach der idealen Form wieder und wieder überarbeitet, immer wieder an ihnen „feilt“, die Worte mehr und mehr reduziert, um sie der magischen Kraft von Gestik und Mimik zu überantworten.

 

„Weinrot!“ antwortet er auf die Frage nach seiner Lieblingsfarbe. „Weinrot ist die Farbe von Wein und Blut und drückt für mich das Leben in seiner ganzen Kraft und Intensität aus“. Dieses Leben „pulsiert“ auch in seinen Stücken, deren tragische Handlung in eine humorvolle Leichtigkeit eingehüllt scheint, die oft zu einem Lachen verführt, das einem, angesichts der, aller Masken entblößten, nackten Wahrheit, im Hals stecken bleibt.

 

„Es geht gar nicht anders“, so Peter Turrini, „wenn ich tragisch bin, bin ich gleichzeitig komisch, das verbindet mich mit Nestroy. „Ich habe über meinem Schreibtisch die Zeichnung eines Gesichtes kleben, dessen Mundwinkel nach oben und unten gezogen sind, so dass es Glück und Unglück in einem zeigt!“.

Diese selbstverständliche Vereinigung von polarer Spannung ist es, die den Theaterbesucher in ihren Bann zieht und ihn nicht so schnell wieder loslässt.

 

Die Inszenierung der „Bühne“, die über dem Nestroyring schwebt, nimmt symbolisch Bezug auf Peter Turrinis Worte

 

Der Bleistift ist das Handwerkszeug, mit dem er seine Recherchen aufzeichnet. Dieser Stift ruht auf dem Auge, das für die Fähigkeit, genau hinzuschauen und eine „Würde“ daraus gemacht zu haben, steht. Iris und Pupille werden durch einen brillantgeschliffenen Diamanten dargestellt, Zeichen für Schärfe, Facettenreichtum und Tiefe.

 

Die Mine des Bleistifts besteht aus Almandin, dem violett-roten Granat, der das Herzblut symbolisiert, das Peter Turrini in seine Texte einfließen lässt. Der Bleistift ist aufgebrochen, gibt sein Innerstes preis, zeigt die Befreiung aus aufgestauter Erfahrung, die, Buchstabe um Buchstabe, Wort um Wort ,auf das leere Blatt fließt um auszudrücken, mitzuteilen, aufzurütteln.....

 

Das Bleistiftende lässt einen Spiegel erkennen - Reflexion und Selbstreflexion fließen durch die Mine und kommen dort wieder zum Vorschein, wo die Spitze der Mine das Blatt berührt...

 

Dieses neue, schwebende, den Inhalt der Inszenierung tragende, sich an den Enden nach Unten und Oben einrollende und so Tragödie und Komödie in sich vereinende Blatt, dem bereits tausende mit Spür-, Scharf- und Leicht-Sinn gefüllte Blätter vorangegangen sind - dieses neue, unbeschriebene Blatt im Nestroyring, beschreibt die Bedeutung des Dramatikers Peter Turrini, will das Werk ehren, aber auch auffordern, Mut machen, Kraft geben, die Herausforderung stets aufs Neue anzunehmen.

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