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1881

Ab 1881 stand er mit seiner Schaffenskraft und seinem Ideenreichtum, als Ratsbürger, Vizebürgermeister und vor allem als „Wasserreferent“, seiner Heimat zu Diensten. In dieser Funktion wurde er zu einem der wichtigsten Wegbereiter der „Wildenstein-Hochquellen-Leitung“ (1892-1895). Als am 8. Juli 1895 die Eröffnung und Einweihung der Anlage Wildenstein vorgenommen wurde, sprach man von einem Jahrhundertbauwerk. Dass diese Behauptung zu Recht erfolgte, zeigt sich darin, dass diese Anlage auch heute noch das „Rückgrat“ der Bad Ischler Wasserversorgung bildet. Nur das Leitungssystem bedarf einer umfassenden Sanierung, die zur Zeit durchgeführt wird.

 

Als Dank für diese so wichtige Leistung „...hat die Stadt Ischl dem Juwelier Engelbert Schodterer die Ehrenbürgerschaft verliehen und demselben einen Springbrunnen in den Garten setzen lassen...“, der noch heute in sommerlichen Tagen seine Funktion erfüllt und die Erinnerung an eine entscheidende Tat wachhält.

Mein Urgroßvater Engelbert Schodterer war neben seiner Arbeit als Goldschmied auch in der kommunalen Politik sehr engagiert. 

Zunächst galt es die im Marktzentrum vorhandenen Betriebe und Eigentümer der Wohnobjekte vom Anschluss an eine öffentliche Wasserversorgung zu überzeugen. So ging er von Haus zu Haus und sammelte 120 Unterschriften damit die Wasserfrage im Gemeinderat thematisiert werden konnte. Die im Anschluss daran beauftragten Untersuchungen brachten letztendlich das Ergebnis, dass die am Fuße der Katrin entspringenden „Wildensteinquellen“ in quantitativer als auch in qualitativer Hinsicht am besten dafür geeignet wären.

 

Sowohl bei der Klärung der offenen Wasserrechtsfragen, den notwendigen behördlichen Bewilligungen und privatrechtlichen Vereinbarungen war Engelbert Schodterer unermüdlich im Einsatz und unterstützte die damaligen Bürgermeister Franz Koch bzw. Georg Gschwandtner nach bestem Wissen und Gewissen.

Schlussendlich kam es im Jahre 1894/1895 zur Umsetzung dieses Projektes. Die Wildensteinquellen wurden mittels Vortrieb von zwei Quellstollen gefasst und daran anschließend ein 900 m³ fassender Hochbehälter errichtet. Von diesem wurden die notwendigen Transportleitungen in das Zentrum geführt und das Wasserleitungsnetz hergestellt.

 

Den gesamten Ablauf und den Vorschlag über den weiteren Ausbau hat er in einem 160-seitigen, handgeschriebenen „Konvolutum“ zusammengestellt (1902) und dem Archiv der Stadtgemeinde mit dem Schlußsatz gewidmet:

 

„Es gereicht mir zur größten Freude, die Gewissheit zu haben, dass nach Durchführung der besprochenen Vorkehrungen die Frage der Wasserversorgung in Ischl endgültig gelöst ist – mögen alle diese Werke dem Kurort jederzeit zum Segen gereichen.”

(Auszug aus dem „Konvolutum“, welches vom damaligen Wasserreferenten Hr. GR. Engelbert Schodterer eigenhändig verfaßt und der Stadtgemeinde zu Verfügung gestellt worden ist)

 

Die Errichtung der Wildenstein-Hochquellen-Leitung

Daß die vorhandenen Brunnen den Bedürfnissen des Kurortes bei seiner in den letzten Jahren erfolgten Ausdehnung nicht mehr genügten lehrt ein Blick in die Protokolle der Gemeindeausschußsitzungen, da bis zum Jahre 1892 zahlreiche Gesuche um Verleihung eines Brunnens abgewiesen werden mußten.

 

Daß unter solchen Umständen die Klagen um Wassermangel desto lauter und häufiger werden mußten, je mehr die Häuserzahl in Ischl anwuchs, ist natürlich.

Wiederholt wurde im Schoße des Gemeindeausschusses der Meinung Ausdruck gegeben, daß in Wildenstein genügend Wasser vorhanden sei, um noch einen weiteren „Holzstrang“ hereinzulegen und auf diese Weise dem Wassermangel abzuhelfen.

 

Als nun in der Ausschußsitzung vom 10. November 1887 abermals ein Gesuch um Gewährung eines Brunnens abgewiesen werden mußte, stellte Herr Gemeinderat Wiesinger den Antrag, den eben in Bad Ischl anwesenden Ing. Faßbender um die Untersuchung des Quellengebietes Wildenstein zu bitten.

 

Der Antrag wurde Angenommen, wobei selbiger beauftragt wurde, neben den periodischen Messungen in Wildenstein auch Ausschau nach eventuellen Alternativmöglichkeiten zu halten.

So sandte dieser am 20. April 1888 an den Bürgermeister Franz Koch ein Gutachten, in welchem die sog. „Scheuringquellen“ in Pfandl zur Benützung empfohlen wurden, welche mittels Pumpwerk gehoben und in ein am Kalvarienberg gedachtes Reservoir geleitet werden sollten.


Von diesem Projekt wurde aber wegen der hohen Kosten Abstand genommen. Auch führte die in Aussicht genommene Wasserzufuhr durch Aufschließung neuer Quellen im Gebiete der „Brunnleiten“ zu keinem Resultat und wurde auch der Gedanke, einen Teil der laufenden Brunnen aufzulassen, das hiedurch ersparte Wasser in die durch die Gemeinde erworbene „Teufelmühle“ zu leiten und in ein Hochreservoir aufzupumpen, um eine größere Anzahl Häuser versorgen zu können, fallen gelassen, da diese Einrichtung den angemeldeten Bedarf nicht annähernd gedeckt hätte und die Kosten sehr hoch gewesen wären.

Ing. Faßbender setzte inzwischen seine Wassermessungen in Wildenstein fort. Diese ergaben letztendlich eine mittlere Ergiebigkeit von 29 Liter pro Sekunde.

Durch diese Mengenmessung war daher hinlänglich dargetan, daß zur Anlage einer modernen Wasserleitung zur Versorgung des Kurortes nur die „Wildensteinquellen“ in Frage kamen und ersuchte die Stadtgemeinde die Behörde um Klärung der Besitzverhältnisse sowohl an den oberen (Wildenstein) als auch an den unteren (Hauseck) Quellen. Ferner wurde Ing. Faßbender mit der Ausarbeitung eines Projektes betraut.

 

Nach Klärung dieser Rechtsverhältnisse wurde in der Gemeindeausschußsitzung vom 24. Februar 1892 der Errichtung einer Hochquellenleitung im Prinzip zugestimmt.

Herr Ing. Faßbender verfolgte in seinem Projekt die Absicht, die Quellen in einen Sammelkanal zu leiten und das Wasser in ein 900 m³ fassendes Reservoir auf den Kalvarienberg zu pumpen um die Druckverhältnisse zu erhöhen.

 

Zum selben Zeitpunkt wurde man auf die Firma Rumpel & Niklas aufmerksam, welche gerade den Bau der Linzer-Wasserleitung ausführte. Nachdem Rumpel & Niklas als sehr vertrauenswürdig und leistungsfähig bezeichnet wurde, beauftragte man die Firma ebenfalls mit der Erstellung eines Projektes.

 

Dieses unterschied sich dann darin, daß für die Quellfassung der Vortrieb von zwei begehbaren Stollen und der Bau des Reservoirs im unmittelbaren Anschlußbereich des Quellgebietes ausgeführt werden sollte.


In der Gemeindeaqusschußsitzung vom 6. Oktober 1893 wurde das vom Ingenieur- & Architekturverein eingeholte Gutachten, welches dem Projekt Rumpel & Niklas den Vorzug gab, zur Beschlußfassung vorgelegt. Trotzdem von einem Teil der Gemeindevertreter gegen die Errichtung der Wasserleitung –

und deren Kosten – Bedenken zum Ausdruck kamen, wurde schließlich doch der Antrag des „Baucomites“, vorerst die Arbeiten der Quellenfassung der Firma Rumpel & Niklas zu übertragen und mit den Arbeiten noch im selben Jahre zu beginnen, mit großer Majorität angenommen.

 

Am 31. Oktober 1893 erfolgte der erste Spatenstich für die Fassung der Quellen. Die Grabungen mußten wiederholt geändert werden, bis es gelang, das eigenliche Quellgebiet aufzudecken. Erst dann setzte man mit dem Vortrieb der zwei Stollen ein, wobei letztendlich der Quellstollen 1 eine Länge von 60 m und der Quellstollen 2 eine solche von 35 m aufwies. Eine zusätzliche, höher liegende Quelle wurde ebenfalls gefaßt und das Wasser mittels einer Rohrleitung in den Stollen 2 geführt.

 

Mittlerweile wurden die Offerte für die Erstellung des Hochreservoirs und für die Lieferung und Verlegung der 7.700 m langen Gußeisenleitungen eingeholt und in der Sitzung vom 14. Februar 1894 die Vergabe der Arbeiten an die Firma Rumpel & Niklas um den Gesamtpreis von 96.000 Gulden beschlossen (das wäre heute ein Betrag von ca. 1 Million Euro).

Am 12. März 1894 begann man mit dem Verteilen der Eisenrohre auf die Rohrtrasse und am 13. März mit den Grabungsarbeiten in der Poststraße. Die Rohrlegung wurde derart gefördert, daß mit 1. Juni das Hauptnetz vollständig fertiggestellt war und nur noch kurze Strecken in den äußeren Ortsteilen übrig blieben.

Es gab eine Emsigkeit in der Herstellung von Hausinstallationen und Anschlüssen. Jeder glückliche Brunnenbesitzer war für andere ein Ansporn. Es entstand völlig ein Wetteifer und so kam es, daß mit Ende des Jahres 1894 über 300 Häuser an die Hochquellenleitung angeschlossen waren.

 

Der Bau des Reservoirs gestaltete sich wesentlich schwieriger und langwieriger, durch den Umstand, daß die Quellen viel tiefer lagen als ursprünglich angenommen und daher auch das Reservoir tiefer errichtet werden mußte als im Projekt vorgesehen war. Trotz Bauverzögerung konnte jedoch noch im Spätherbst 1894 das Reservoir der Druckprobe, welche ein einwandfreies Ergebnis brachte, unterzogen werden.

Die von der Freiwilligen Feuerwehr abgehaltene Hauptübung gestaltete sich insoferne sehr interessant, als zum ersten Male die Hydranten in Verwendung kamen und infolge der erstaunlichen Leistungsfähigkeit bei der Bevölkerung ungeteilte Anerkennung fanden. 

Leider brachte der kalte, trockene Winter 1894/95 einen Mißton in die freudige Stimmung, indem im Jänner die Wildensteinquellen in ihrer Ergiebigkeit sehr zurückgingen und am 27. Februar gänzlich versiegten.

 

Es mußten daher die Hauseckquellen herangezogen und das Wasser der Jainzenleitung in die neue Leitung eingeführt werden, wodurch eine notdürftige Wasserversorgung hergestellt war.


Erst nach Eintritt von Tauwetter machte sich am 19. März 1895 in den neuen Stollen der Wasserzufluß bemerkbar, der innerhalb von 24 Stunden wiederum seine frühere Stärke erreichte.

In den Monaten März und April 1895 wurden die letzten Verteilleitungen sowie verschiedene Anschlüsse fertiggestellt und ein neuer, prächtiger Weg von der Soleleitungs-Promenade bis zum Reservoir angelegt, sodaß die feierliche Eröffnung der Wildenstein-Hochquellen-Leitung programmgemäß vorgenommen werden konnte.

 

Diese fand am 8. Juni 1895 unter großer Beteiligung der Ämter und Behörden, sowie der Bevölkerung statt. Die Übernahme der Anlage gestaltete sich sehr berührend und verliehen alle Festredner ihrer Freude über das Zustandekommen des großen Werkes Ausdruck, wobei sie dem Altbürgermeister Franz Koch, sowie seinem Nachfolger Bgm. Georg Gschwandtner, als auch dem unermüdlich tätigen Referenten GR. Engelbert Schodterer für ihre Leistungen die vollste Anerkennung aussprachen.

 

Heute gibt es keine Probleme mehr mit der Wassermenge - der „Überfluss” der Wildensteinquelle begleitet ein kurzes Stück den Wanderweg auf die Katrin. Für die Fotos, die die Wildensteinquelle heute zeigen, bedanken wir uns ganz herzlich bei Roland Bartl (Wasserreferent i.R.).

WILDENSTEIN