SO WURDE ICH ZUM

Meister

1988

Goldschmiedemeister

Zum Meister bin ich erst Jahre später geworden, als ich 1988 den Auftrag von der Gattin eines Goldschmiedes bekam, zum 60. Geburtstag ihres Mannes eine Schmuckdose anzufertigen. Sie sollte ein ganz besonderes Stück in seiner umfangreichen Dosen-Sammlung werden.

 

Es war allerdings nicht irgendein Goldschmied, für den ich arbeiten durfte. Prof. Walter Mican (1928 – 2006) – Goldschmiedmeister, Gemmologe, Diamantengutachter, allgemein beeideter und gerichtlich zertifizierter Sachverständiger und Korrespondent des Naturhistorischen Museums – also DER Sachverständige in Österreich, wenn es um die Begutachtung und Bewertung von Schmuckstücken und Goldschmiede-Kunstwerken ging. Er war einer der wenigen, der befähigt war, Schätzungen für die Wiener Schatzkammer auszuführen.

Die Dose sollte sein Leben und sein Werk darstellen. Ich fertigte für ihn eine goldene Dose, deren Deckel als Brosche zu tragen ist und symbolisch die Familiengeschichte darstellt.

Die Meisterprüfung ist eigentlich nicht wirklich von Bedeutung, sie dient nur dazu den Titel tragen zu dürfen. Das ist wie beim Führerschein, man darf fahren, aber vom Können ist man noch meilenweit entfernt.

Im Mittelpunkt befindet sich eine Halbkugel aus Türkis und  Aventurin, zwei eigenständige Hälften zusammengefügt zu einem Ganzen. Diese beiden Monatssteine für Dezember und August stehen für den Jubilar und seine Ehefrau. Sie sind „eingebettet“  in die Familie.

 

Die Tochter, ihr Ehemann und die beiden Enkelkinder werden ebenfalls durch die Monatssteine symbolisiert: Opal für den Oktober, Chrysopas für den Monat Mai und zwei Aventurine für die im August geborenen Enkelkinder.

Umschlossen wird die Familie von einem Mosaik aus 60 verschieden großen Altschliffdiamanten, die einerseits für die 60 Lebensjahre des Jubilars stehen und andererseits ein starkes Symbol

für Facettenreichtum, Beständigkeit, Aufrichtigkeit und Vertrauen ins Leben darstellen. Der Name Diamant leitet sich vom griechischen Wort ‚adamas‘ ab, das bedeutet ‚der Unbezwingbare’ und steht damit ebenfalls symbolisch für die Lebensart des Jubilars, der in einem Interview von sich sagte: „Als ich anfing, hatte ich vom künftigen Erfolg keine Ahnung.

 

Ich gab immer das Beste, was ich geben konnte. Die Freude am Werk ist meine Antriebskraft.“

 

Und da Prof. Walter Mican nicht nur seine Familie, sondern auch seine Berufung in den Mittelpunkt seines Lebens stellte, bekam die Dose auch ein „Innenleben“ – einen herausnehmbaren Boden, der als Kragenspange zu tragen ist und das Berufsleben symbolisiert.

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Im Mittelpunkt thront der Heilige Eligius, der Schutzheilige der Goldschmiede, auf einem Türkissockel, Walter Micans Monatsstein.An seinem Gürtel ist eine weißgoldene Goldschmiedelupe an einer Goldkette befestigt, deren Glas ein lupenreiner Brillant ist. Auch das steht für die Tätigkeit als Gutachter, denn als er sein Arbeitsleben beendete, wurde er von seinen Mitarbeitern mit einer goldenen Lupe an einer goldenen Kette beschenkt. Die humorige Antwort Micans auf die Frage eines Kunden, ob sein zwei Millimeter großer Diamant auch wirklich lupenrein sei: „Sicherlich, denn der Stein ist so klein, dass einfach kein Platz für einen Einschluss ist.“

Rund um den Sockel, der gleichzeitig der Mechanismus für das Herausnehmen des Bodens ist, sind unterschiedlichste Edelsteine gestreut. Diamant, Smaragd, Saphir, Rubin, Granat, Topas, Aquamarin und Turmalin stehen stellvertretend für die unzähligen Edelsteine, die durch die Hände des Gemmologen wanderten.

Damit die Jubiläumsdose auch einen würdigen Platz bekommt, kann sie mit Hilfe eines Magneten in ein schwarz gebeiztes Fichtenholz-Relief eingesetzt und als Wandschmuck verwendet werden.

Einige Tage nach dem Geburtstagsfest Walter Micans klingelte das Telefon. Als ich den Hörer abnahm, war einige Sekunden lang Stille am anderen Ende der Leitung. Als ich wieder auflegen wollte, kam aus dem Hörer ein einziges Wort: „Meister!“

 

Mit diesem einen Wort hat mich Prof. Walter Mican zum wirklichen Meister erhoben. Es hat mich darin bestärkt Unikate zu schaffen, die jedes für sich eine Besonderheit darstellen. Es ist dabei egal, ob es sich um ein größeres Werk handelt oder um ein sehr kleines.

Unser kleines Familienmuseum

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